Deutschland-Modell

Es wurde bisher erläutert, welches methodische Vorgehen zur modell­mäßigen Erfassung bestimmter Problemfelder notwendig ist. Diese er­kannten Problemfelder stellen bestimmte Anforderungen an das zu ent­wickelnde Modellsystem. Um zunächst einen Oberblick über das gesam­te Deutschland-Modell zu geben, werden daher im folgenden die einzel­nen Teilmodelle kurz beschrieben:

Die Abbildung 2 (rechts) zeigt die Gesamtstruktur des Deutschland-Mo­dells und des angekoppelten Mesarović-Pestel-Weltmodells. Die im ver­einfachten Blockdiagramm dargestellten Teilmodelle wurden für 13 Weltregionen erarbeitet und miteinander über ein differenziertes Wel­thandelsmodell gekoppelt. Das Deutschland-Modell besteht aus
– Bevölkerungsmodell
– Ausbildungsmodell
– Wirtschaftsmodell
– Technologiemodell (Arbeit, Energie) sowie
– Prozeßmodellen.

Bevölkerungsmodell

Das Bevölkerungsmodell hat die Aufgabe, die zu erwartende Bevöl­kerungsentwicklung zu berechnen, um daraus Auswirkungen auf die Konsumnachfrage abzuleiten und in Verbindung mit dem Ausbildungs­modell die Zahl der Erwerbspersonen zu ermitteln.
Dazu ist es notwendig, die Bevölkerung nach Alter, Geschlecht und Staatsangehörigkeit aufzugliedern.

Ausbildungsmodell

Das Ausbildungsmodell dient in Verbindung mit dem Bevölkerungsmo­dell zur Berechnung der Ausbildungsstufe der aus dem Bildungssystem Entlassenen. Daraus werden die Aussbildungsqualifikation abgeleitet und der Zeitpunkt des Ausscheidens aus dem Bildungssystem bestimmt, um die Zahl der Erwerbspersonen zu ermitteln.
Dazu ist es notwendig, daß die Bildungsstufen von der Grundschule bis zum Hochschulstudium in dem Modell enthalten sind und über die Abgangs- beziehungsweise Übergangsquoten Aussagen getroffen werden.

Wirtschaftsmodell

Das Wirtschaftsmodell hat die Aufgabe, die wirtschaftlichen Entwick­lungsmöglichkeiten der Bundesrepublik Deutschland unter verschiedenen Aspekten zu schätzen. Bestimmt werden muß hierzu auf der Ange­botsseite
– die Entwicklung des Produktionspotentials
– die dazu erforderlichen Investitionen
und auf der Nachfrageseite
– die Nachfragewirkung der Investitionen
– Tendenzen der privaten Konsumnachfrage
– der Einfluß des Staatsverbrauchs
– die weltwirtschaftliche Verknüpfung über Importe und Exporte.
Für diese differenzierte Aufgabe wird die Wirtschaft sektoral, das heißt branchenmäßig, gegliedert, die Verflechtung zwischen diesen Sektoren berücksichtigt und die sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Ange­botsseite wirkenden Investitionen werden im Modell selbst bestimmt.

Technologiemodell

Das Technologiemodell ergibt den mit einer bestimmten wirtschaft­lichen Entwicklung verbundenen Bedarf an
– Arbeit
– Energie und
– Materialien.
Da die wirtschaftliche Entwicklung nur ein Faktor bei der Abschätzung des Bedarfs an diesen Einsatzfaktoren ist, müssen zusätzliche Annahmen über organisatorisch und technologisch bedingte Veränderungen des spezifischen Einsatzes an Arbeit, Energie und Material in das Modell eingeführt werden.

Verkopplung mit dem Mesarović-Pestel-Weltmodell

Das Weltmodell hat die Aufgabe, die globale Entwicklung abzuschätzen, wobei neben der Entwicklung der Weltwirtschaft die Problembereiche
– Bevölkerungslawine in den Entwicklungsländern in Verbindung mit dem Nahrungsmittelbedarf
– Weltweite Energieversorgung
– Weltweite Materialversorgung
– Internationale Arbeitsteilung
angesprochen werden. Außerdem lassen sich die Probleme des Nord-Süd-Gefälles analysieren sowie Wirkungen und Rückwirkungen unterschiedlicher Entwicklungsmaßnahmen untersuchen. Die Bundesrepublik Deutschland ist über die Export-lmportwerte mit dem Weltmodell verkoppelt. Damit ergeben sich aus dem Weltmodell für die Bundesrepublik her Aussagen über
– Unterschiedliche Absatzchancen für die wichtigsten deutschen Exportindustrien auf dem Weltmarkt
– Optionen für die Energie- und Rohstoffverfügbarkeit
– Auswirkungen bei der Bewältigung des Nord-Süd-Konfliktes.

Kopplung der Teilmodelle zu einem Modellsystem

Die einzelnen Teilmodelle weisen mehrere Kopplungsstellen auf, die beim jetzigen Stand der Modelle zumeist nur in einer Richtung wirken. Dies hat den Vorteil, daß das Modellsystem überschaubar bleibt und eine Vielzahl von Einzeluntersuchungen möglich ist. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen:
Wenn man etwa verschiedene Energiestrategien bei gleicher wrtschaftlicher Entwicklung durchspielen will, kann man sich auf den Energieteil beschränken, wobei man die vorher berechneten Ergebnisse der anderen Modellteile verwendet. Es müssen nicht jeweils alle Teilmodelle erneut durchlaufen werden. Dieses Verfahren ist bei einem Modell vom Umfang des Deutschland-Modells vorteilhafter als die durchaus mögliche Integration des gesamten Modellsystems.