Linguistik als System von Regeln: Kommunikative vs. linguistische Kompetenzen

Ich möchte nun, um kommunikative und linguistische Kompetenzen gegeneinander abzugrenzen, von der Klasse der konkreten Äußerungen ausgehen und schrittweise drei Abstraktionen vornehmen. Konkret nenne ich eine Äußerung, die in einer bestimmten Situation gemacht wird und deren Bedeutung auch von kontingenten Randbedingungen, sowie von der Persönlich­keitsstruktur und dem Rollenkontext der Sprecher / Hörer bestimmt wird. Wenn wir in einem ersten Schritt von den variablen Bestandteilen der Redesituation absehen und nur die allgemeinen Strukturen von Redesituationen überhaupt zu­rückbehalten, gewinnen wir aus der konkreten Äußerung die elementare Äußerung, die ich als pragmatische Einheit der Rede eingeführt habe. Wenn wir in einem zweiten Schritt von der Performanz der Äußerung, also vom Vollzug der Kommunikation absehen und nur die sprachlichen Ausdrücke, die in elementaren Äußerungen verwendet werden, zurück­behalten, gewinnen wir den elementaren Satz als linguistische Einheit. Wenn wir in einem dritten Schritt von den sprach­lichen Ausdrücken, die den pragmatischen Verwendungssinn des Satzes bestimmen, absehen, also den Sprechakt einklam­mern und nur den Satz propositionalen Gehaltes zurückbe­halten, gewinnen wir die elementare Einheit, die notwendig ist, um Sachverhalte wiederzugeben und die wir dann, wenn sie in Abhängigkeit von assertorischen Sätzen gebraucht wird, elementare Aussage nennen. Elementare Sätze sind die Grundeinheiten des Gegenstands­bereichs der Linguistik. Die Aufgabe der Linguistik als einer Theorie der linguistischen Kompetenz sehe ich mit Chomsky darin, das System von Regeln zu rekonstruieren, nach dem linguistisch kompetente Sprecher Sätze bilden und umformen. Elementare Äußerungen sind die Grundeinheiten des Gegen­standsbereichs der Universalpragmatik.