Kanon der Kreativität

Die Erkenntnis, daß Spontaneität und Kreativität in unserem geistigen Universum wirken, veranlaßte uns, die Beseitigung oder Umformulierung aller zeitgenössischen, z. T. offen oder stillschweigend auf die psychoanalytische Doktrin zurückgehenden psychologischen und soziologischen Theorien zu befürworten, wie z. B. die Theorie der Hemmung, der Projektion, des Ersatzes und der Sublimation. Diese Theorien müssen umgearbeitet und mit dem Prinzip der Spontaneität und Kreativität in Einklang gebracht werden. In der Spontaneitätstheorie wird die Energie als organisiertes System psychologischer Kräfte nicht ganz aufgegeben. In der Form der Kulturkonserven tritt sie wieder in Erscheinung. Aber anstatt wie die Libido im Ausgangspunkt eines jeden Prozesses zu wirken, steht sie als Endprodukt am Schluß eines jeden Prozesses. In ihrer Relativität wird sie nicht als endgültige Form, sondern als ein Zwischenprodukt bewertet, das von Zeit zu Zeit umgeformt und von neuen Spontaneitätsfaktoren „aufgeladen“ werden muß. Durch die Interaktion der drei Prinzipien Spontaneität, Kreativität und Kulturkonserven kann der Spontaneitätsfaktor in gewisser Hinsicht mit dem Gesetz von der Erhaltung der Energie vereinbart werden.