Die Lehre vom Sein

 Triade Nr. 143: Hegel, Georg F.W. (1830 / 1986). Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse. Erste Abteilung der Logik. Die Lehre vom Sein. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S.182.

Eine jede Sphäre der logischen Idee erweist sich als eine Totalität von Bestimmungen und als eine Darstellung des Absoluten. So auch das Sein, welches die drei Stufen der Qualität, der Quantität und des Maßes in sich enthält. Die Qualität ist zunächst die mit dem Sein identische Bestimmtheit, dergestalt, daß etwas aufhört, das zu sein, was es ist, wenn es seine Qualität verliert. Die Quantität ist dagegen die dem Sein äußerliche, für dasselbe gleichgültige Bestimmtheit. So bleibt z. B. ein Haus das, was es ist, es mag größer oder kleiner sein, und Rot bleibt Rot, es mag dasselbe heller oder dunkler sein. Die dritte Stufe des Seins, das Maß, ist die Einheit der beiden ersten, die qualitative Quantität. Alle Dinge haben ihr Maß, d. h. sie sind quantitativ bestimmt, und ihr so oder so groß Sein ist für dieselben gleichgültig; zugleich hat aber auch diese Gleichgültigkeit ihre Grenze, bei deren Überschreitung durch ein weiteres Mehr oder Weniger die Dinge aufhören, das zu sein, was sie waren. Vom Maß aus ergibt sich dann der Fortgang zur zweiten Hauptsphäre der Idee, zum Wesen. 

Die hier genannten drei Formen des Seins sind, eben weil es die ersten sind, zugleich die ärmsten, d. h. abstraktesten. Das unmittelbare, sinnliche Bewußtsein ist, insofern sich dasselbe zugleich denkend verhält, vornehmlich auf die abstrakten Bestimmungen der Qualität und der Quantität beschränkt. Dies sinnliche Bewußtsein pflegt als das konkreteste und damit zugleich reichste betrachtet zu werden; dies ist es jedoch nur dem Stoff nach, wohingegen dasselbe in Hinsicht auf seinen Gedankeninhalt in der Tat das ärmste und abstrakteste ist.